Ramadan – der muslimische Fastenmonat ist eine der fünf Säulen des Islams.
Sein Beginn richtet sich nach dem islamischen Mondkalender und verschiebt sich jedes Jahr um 11 Tage. Während des 30-tägigen Fastens essen und trinken gläubige Muslim: innen nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang – in den Stunden dazwischen wird gefastet.
Der Ramadan bietet die Möglichkeit, sich intensiver mit dem Glauben auseinanderzusetzen sowie Familie und Gemeinschaft in den Mittelpunkt zu stellen. Am Ende der 30 Tage steht dann das Fest des Fastenbrechens: Eid al-Fitr (umgangssprachlich auch Zuckerfest genannt).
Herausforderungen im Kontext Schule:
Trotz der positiven Bedeutung des Fastenmonats für viele muslimische Menschen hat das Fasten über mehrere Stunden Auswirkungen auf den Körper und seine Leistungsfähigkeit.
Für die Schule, als ein Ort der kulturellen Vielfalt und des gemeinsamen Lernens, gehen mit dem Fastenmonat daher spezielle Herausforderungen einher.
Viele Lehrkräfte beobachten:
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Leistungsabfall
- höhere Gereiztheit
- „Fastenwettbewerbe“ unter Schüler: innen.
Zudem können diskriminierende Einstellungen zu Islam und Ramadan dazu beitragen, dass Jugendliche sich zurückgesetzt fühlen oder unter Rechtfertigungsdruck stehen. Erfahrungsgemäß bestehen einige dann erst recht und vor allem aus Trotz auf starke Rücksichtnahme. Bei manchen Pädagog: innen drängt sich dann der Verdacht der islamistischen Ideologisierung auf. Es geht dabei jedoch häufig zunächst einmal um das Austesten von Grenzen.
All dies kann zu allgemeiner Verunsicherung und Konflikten führen. Es gibt jedoch nur wenige Situationen rund um den Ramadan, die nicht durch ein offenes Gespräch und klare Absprachen vermieden werden können.
Handlungsmöglichkeiten:
Unter dem Gesichtspunkt der Extremismusprävention und im Sinne einer freien, toleranten und weltoffenen Gesellschaft empfehlen wir von Wegweiser einen respektvollen, wertschätzenden Umgang mit dem Ramadan im Kontext Schule. Er bietet die Chance Werte und Religion zu thematisieren, sowie Schüler: innen in ihrer freien Religionsausübung zu unterstützen. Ein Umgang auf der Basis von Respekt und Wertschätzung stärkt nicht zuletzt auch die Resilienz für Ansprache durch extremistische Akteur: innen.
Die Praxis zeigt zudem, dass konkrete Rahmenbedingungen viel Verunsicherung vorbeugen können.
Praktische Hinweise für den Schulalltag:
- Integration in den Jahresplan: Vor Allem an Schulen mit einem hohen Anteil muslimischer Schüler: innen ist es hilfreich den Ramadan in den Schulalltag zu integrieren und in die Jahresplanung einzubeziehen. Größere Sportveranstaltungen zum Beispiel, Schwimmunterricht oder Veranstaltungen bei denen gemeinsam Gegessen wird, können sensibel und integrativ geplant werden.
- Aufklärung im Unterricht: Im Unterricht sollte über den Ramadan aufgeklärt und dafür sensibilisiert werden. Dabei sollten Beweggründe, Ablauf und die Bedeutung des Fastens für muslimische Menschen besprochen werden.
- Gemeinsame Regeln: Gemeinsame Regeln können formuliert werden. Wie soll in dieser Zeit miteinander umgegangen werden? Was ist erwünscht und was nicht?
- Wettbewerbe vorbeugen: Auch einem „Fastenwettbewerb“ unter Schüler: innen kann so vorgebeugt werden. Hierzu sollte unterstrichen werden, dass das Praktizieren von Religion eine persönliche Entscheidung ist. Vom Fasten ausgenommen sind kranke, reisende, sowie schwangere, stillende und menstruierende Menschen. Man kann diese „Fastenwettbewerbe“ auch damit delegitimieren, dass von außen nicht ersichtlich ist, ob jemand gerade fasten sollte oder nicht.
- Kinder die Fasten: Wenn Kinder fasten, dann tun sie dies meist aus dem eigenen Anspruch heraus, schon „groß“ sein oder dazugehören zu wollen. Sollte dies zu massivem Leistungsabfall, Störungen oder zu gesundheitlichen Problemen führen, ist ein Gespräch mit den Eltern ratsam. Teilweise wissen diese nicht, dass ihr Kind in der Schule fastet.
- Umgang mit Gereiztheit: Ein leerer Magen kann zu erhöhter Gereiztheit führen – das kennen wir alle. Aggressives Verhalten muss deswegen nicht toleriert werden. Auch der Islam sieht vor, dass gerade der Ramadan eine friedliche Zeit ist, in der Konflikte beigelegt werden sollten.
Für weitere konkrete Hinweise, empfehlen wir die Materialien von Ufuq zum Thema Ramadan im Schulkontext. Sie enthalten eine interaktive Karte mit Handlungsbereichen sowie Informationen und Unterrichtsmodule zum Thema Ramadan.


