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Was ist Salafismus?

In den letzten Jahren fand der Begriff des Salafismus immer häufiger Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung. Oft wird er aber in einem engen Kontext mit weiteren Begrifflichkeiten wie ‚Islamismus‘ und ‚Dschihadismus‘ genannt. Eine Trennschärfe ist an dieser Stelle allerdings unbedingt notwendig – nicht zuletzt um Vorurteilen entgegenzuwirken und gegenseitiges Verständnis zu unterstützen. Auch hier setzt die Arbeit von Wegweiser an, um die verschiedensten Zielgruppen für die Thematik zu sensibilisieren.

Wenn wir über Salafismus reden, meinen wir in erster Linie gläubige Muslim*innen, die sich an den sogenannten ‚Rechtschaffenden Altvorderen‘ orientieren, den „al-salaf al-salih“. Damit sind die ersten drei Generationen der Muslim*innen gemeint, also der Prophet Mohammed und seine Anhänger, und ist damit eine historische Orientierung am 7. und 8. Jahrhundert nach Christus. Diese frühislamische Gemeinde wird idealisiert und Salafist*innen sehen sich aufgefordert, dem Beispiel der Rechtschaffenden Altvorderen kompromisslos zu folgen. Dabei hegen sie den Anspruch, alleinige Deutungshoheit über die Definition der „einzig wahren Muslim*innen“ zu haben.
Salafismus ist eine religiös-fundamentalistische Strömung innerhalb des sunnitischen Islams. Dadurch gelten der Koran und die Überlieferungen des Propheten Mohammeds (Sunna) in wortwörtlicher Auslegung als Hauptquellen für Handlungsweisen und sind verpflichtend zu befolgen – auch in der heutigen Zeit. Jede noch so geringe Abweichung an sich verändernde gesellschaftliche oder geografische Bedingungen werden als „unislamische Neuerungen“ (Bid’a) abgelehnt.

Wann ist Salafismus extremistisch?

Eine fundamentalistische Auslegung des Koran allein ist kein Zeichen von Extremismus. Als extremistisch sehen wir lediglich zwei Strömungen im Salafismus an: den politischen und den gewaltorientierten/dschihadistischen Salafismus.
Politische Salafist*innen stehen für eine antidemokratische Definition des Islam. Da der Koran und die Sunna hier als Hauptgrundlage des Handelns gelten, werden menschengemachte Gesetze nicht akzeptiert und als Götzen (Taghut) abgelehnt. Hier wird die vermeintliche Orientierung an einer idealisierten islamischen Gesellschaft in ein politisches Programm gegossen. Dabei werden nicht nur abstrakte Werte und Normen des 7. und 8. Jahrhunderts, sondern auch politische und gesellschaftliche Gegebenheiten jener Zeit in die Gegenwart übertragen – ungeachtet historischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Es wird ein islamisches Staatssystem angestrebt.
Eine weitere Grundlage des politischen Salafismus ist die Missionierungsarbeit (Da’wa), um langfristig neue Anhänger*innen zu gewinnen. Hier wird zunächst Gewalt als Mittel zur Umsetzung ihrer Ziele vordergründig abgelehnt.
Die Übergänge zum gewaltorientierten Salafismus sind jedoch fließend. Auch hier wird Demokratie als Götze gesehen und daher nicht akzeptiert. Anhänger*innen dieser Strömung können jedoch auch als Dschihadist*innen bezeichnet werden. Der Dschihad als militärischer Kampf gilt hier als legitimes Mittel, um die Vorstellung eines islamisches Staatssystems durchzusetzen, und gleichzeitig als religiöse Pflicht. Obwohl das Hauptkonfliktfeld für den von diesen Gruppierungen durchgeführten Dschihad in den letzten Jahren Syrien und Irak war, ist Deutschland durchaus auch im Blickfeld dschihadistischer Bestrebungen.

Außerdem…

  • Salafismus ist seit einigen Jahren die am schnellsten wachsende extremistische Bestrebung in Deutschland: Stand Dezember 2017 wurden bundesweit 10.800 Personen im salafistischen Spektrum gezählt, Mitte 2018 waren es bereits 11.300 Personen (wobei der Verfassungsschutz auch steigende Erkenntnis gewinnt).
  • Das allgemeine Umfeld für Radikalisierung hat sich in den letzten Jahren stetig erweitert; klassische Straßenmissionierungen gibt es noch, aber es sind weniger geworden; die Bedeutung des Internets als Raum für Radikalisierung bleibt weiterhin hoch.
  • Frauen im Salafismus finden in der öffentlichen Wahrnehmung sowie in der Wissenschaft zunehmend Beachtung, ihnen wird nicht mehr nur die Rolle der Hausfrau und Mutter zugeschrieben – vielmehr sind sie in der Weitergabe der Ideologie und in der Propaganda aktiv.
  • Die meisten Salafist*innen sind Jugendliche und junge Erwachsene, nicht zuletzt deswegen richtet sich das Angebot von Wegweiser an eben diese Zielgruppe und ihr Umfeld.